Verein: Einheitunterstützer und Reha-Trainer Ron Haferkorn kämpft für Schlaganfallpatienten (<#field:views#>)

04
Nov
2020
Einheitunterstützer und Reha-Trainer Ron Haferkorn kämpft für Schlaganfallpatienten

Ron Haferkorn arbeitet seit mehr als zwei Jahren mit Ex-Fußballer Frank Lehmann / Ungewisse Zukunft durch Corona bedingte Schließung des Grimmaer Fitnessclubs und Unterstützer des SV Einheit Borna

Ein Schlaganfall warf Frank Lehmann jäh aus der Bahn. Wie ein Kind muss er alles von neuem lernen. Er arbeitet hart an den ersten Schritten zurück ins Leben. Der Teil-Lockdown gefährdet nun die Genesung. Ende Februar 2018 stand Mittelfeldspieler Frank Lehmann noch auf dem Fußballplatz. Mit stolzen 49 ackerte und rackerte er für seine Alten Herren vom SV Panitzsch-Borsdorf. Was nur wenige Tage später passierte, ist für den Sportsmann noch immer ein Albtraum: Beim Einkaufen im Supermarkt brach er plötzlich zusammen. Diagnose: Schlaganfall. Rettungswagen, Krankenhaus, Rehabilitation. Seinen Beruf als Lagerist kann er nicht mehr ausüben. Der Erwerbsunfähigkeitsrentner, der lange im Rollstuhl saß, musste wie ein kleines Kind ganz von vorn anfangen: Laufen lernen, Suppe löffeln, Schuhe anziehen. Der heute 51-jährige Tauchaer ließ sich nie hängen. Parallel zur Therapie trainierte er regelmäßig auch im Fitnessstudio. Größtmögliche Selbstständigkeit – das war sein erklärtes Ziel. Von Beginn an arbeitete Therapeut Ron Haferkorn mit ihm. Die 1:1-Betreuung im Grimmaer „MFC Topfit“ zeigte erste Erfolge: Lehmann kann wieder die Tasse zum Mund führen, aufrecht gehen und – sogar Treppen steigen. Doch die Fortschritte sind nun gefährdet. Nach Inkrafttreten des Teil-Lockdowns musste Anfang der Woche auch das Fitnessstudio schließen. Für den Patienten eine schlimme Nachricht.
Ron Haferkorn, geschäftsführender Teilhaber des Studios im Kloster Nimbschen, hat noch ein gutes Dutzend weiterer Klienten im IndividualTraining. Für sie kämpft der 40-Jährige nun um eine Sondergenehmigung. „Beim Gesundheitsamt werde ich ein entsprechendes Hygienekonzept einreichen, dass ein solches Personal-Training bei Einhaltung aller Auflagen möglich macht. Ich werde damit keine finanziellen Einbußen ausgleichen – mir geht es allein um meine Patienten.“ Haferkorn gilt selbst in der Corona-Krise als unverbesserlicher Berufsoptimist. In der Branche machte er sich zuletzt auch überregional einen Namen. Obwohl er keinerlei Einnahmen mehr hatte, jammerte er nicht, investierte im Frühjahr in elf Geräte, um zumindest auf 100 Quadratmetern im überdachten Freien ein Ganzkörpertraining anzubieten. Im Sommer lief er einen doppelten Marathon von der Schladitzer Bucht bis Grimma. Damit wollte er das Anlaufen der Wirtschaft nach gelockertem Shutdown symbolisieren. In zehn Stunden, 50 Minuten rannte er sage und schreibe 80 Kilometer. 40 Firmen unterstützten den Lauf. Ihre Namen waren auf dem Dress des Sportlers gelistet. Umso härter trifft den Trainer und seine knapp 400 Mitglieder nun das erneute Runterfahren. Was ihn ärgert: „Wir werden von Staats wegen dem Hobby- und Freizeitbereich zugeschlagen. Dabei fördern wir Gesundheit!“ Zweimal die Woche wurde Frank Lehmann entweder von seiner Frau oder der Mutter ins Fitnessstudio gebracht. Die intensiven Einheiten mit Ron Haferkorn haben ihm gut getan. Der Ex-Fußballer fasste wieder Vertrauen in den eigenen Körper. Und nun das neuerliche Aus: „Wenn ich nicht weiter übe, droht ein Leistungsabfall.“ Wer wüsste das besser als sein Trainer. Für den Schützling hat er einen Plan erstellt. Zu Hause soll er damit arbeiten. Alles andere als optimal, sagt Ron Haferkorn. Schließlich müsse er das Ausführen der Übungen beobachten, um helfend einzugreifen. „Ich habe Frank gebeten, dass er sich mit dem Handy filmt, mir das Video zuschickt und ich ihm dann sagen kann, was er noch verbessern muss.“ Wie gesagt, das könne nur eine Notlösung sein, so der Trainer. Er hofft, dass er mit seinem Antrag durchkommt und die Patienten bald wieder persönlich betreuen darf.

Quellenbezug und Bildnachweis: © Haig Latchinian / LVZ Lokalausgabe Landkreis Leipzig vom 04.11.2020

Geschrieben von: Stefan Wolf
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